Berliner Straße
Durch das Stadtzentrum von Rathenow zieht sich die Berliner Straße, vorbei an den unten aufgeführten Sehenswürdigkeiten. Nachdem seit 2011 das erste Teilstück der Berliner Straße vom Rathaus über den Märkischen Platz bis zum August-Bebel-Platz umgebaut wurde, konnte am 15. Oktober 2014 das letzte Teilstück vom August-Bebel-Platz bis zur Stadtschleusenbrücke fertiggestellt und der Öffentlichkeit übergeben werden. Zur Neugestaltung gehörten unter anderem die Änderung und Beruhigung der Verkehrsführung durch den Bau dreier Kreisverkehre in unübersichtlichen und viel befahrenen Kreuzungsbereichen, die Neugestaltung des Märkischen Platzes, der Umbau der Plattenbauten am Märkischen Platz und das Umsetzen des Abtragejungen und des Lichtbogens.

Post
Das Postgebäude in der Wilhelm-Külz-Straße aus Rathenower Backsteinen wurde am 1. April 1883 fertiggestellt. Der Bau steht am damaligen Zietenplatz und heutigen August-Bebel-Platz, dieser Standort wurde vom damaligen Staatssekretär ausgesucht. Erst im Jahr 1906 ging das Gebäude in den Besitz der Reichspost über, die den Zietenplatz umgestalten ließ.
Von dem ursprünglichen Gebäude ist nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges nur der linke Teil wieder aufgebaut und ein neuer Teil angebaut worden. Die Fassade des erhaltenen Teils des Gebäudes wurde 2006 aufwendig restauriert und von Witterungsschäden und Einschusslöchern aus dem Zweiten Weltkrieg befreit. Neben dem Abtragejungen in der Mitte des neuen Kreisverkehres am August-Bebel-Platz ist der neu gestaltete Lebensbaum an der Fassade der Post ein weiterer Blickfang in dieser historischen Kulisse.


Die Abtragejungen
Die 12- bis 14jährigen Jungen mussten helfen die Haushaltskassen aufzubessern. Sie schufteten den Sommer über in den Ziegeleien. Auf Antrag der Eltern waren sie während des Sommerhalbjahres vom Schulunterricht befreit. Um 6 Uhr früh begann der Dienst und dauerte bis Sonnenuntergang. Der Tageslohn betrug etwa 75 Pfennig. Bestenfalls brachten sie 100,- Reichsmark für das Halbjahr nach Hause.
Der Ziegelmeister Max Condula der Ziegelei Matthes hatte die Abtragejungen auch zu beköstigen. Sie erhielten fünf Mahlzeiten. Morgens Brotsuppe, zum Frühstück Brote mit Butter oder Schmalz, mittags Eintopf, nachmittags wieder "gestrichen Brot" und abends Kartoffeln mit Hering.
Wegen dem Handstrichverfahren, das lange Zeit in den Ziegeleien praktiziert wurde, waren diese Abtragejungen aus dem Betrieb nicht wegzudenken, sie mussten die aus dem nassen Ton in Holzkästen geformten Rohlinge aus der Streicherei in die Trockenschuppen tragen. Nur gut getrocknete Rohlinge konnten gebrannt werden. Transportiert wurden jeweils drei Stück, in jeder Hand einen und den dritten auf dem Kopf. Damit dieser sicher lag, trugen die Jungen eine Kappe, die innen mit einem Strohwulst versehen war.
Diesen jugendlichen Arbeitern hat der 1988 verstorbene Rathenower Bildhauer Karl Mertens ein bleibendes Denkmal in Gestalt des "Abtragejungen" in Bronzeguss gesetzt. Es war sein letztes Werk und stand bis 2011 in Rathenow auf dem Platz direkt vor dem Gebäude der Deutschen Post, nach den Umbaumaßnahmen des Stadtzentrums wurde das Werk 2012 am Kreisverkehr auf dem August-Bebel-Platz aufgestellt. Vor 1945 stand auf dem Platz vor dem Postgebäude, dem ehemaligen Zietenplatz, die Statue des Generals Rosenberg.


Der Lebensbaum
An diesem Projekt hatte jeder die Chance selbst an der Gestaltung teilzunehmen. Gegen eine geringe Gebühr konnte man sich Tonkacheln in verschiedenen Größen gestalten oder gestalten lassen und somit seine Ideen am Lebensbaum der Öffentlichkeit zeigen. Die Resonanz war sehr groß, neben vielen Bürgern haben sich auch einige Firmen der Stadt daran verewigt. Mittlerweile wurden letzte Lücken mit gestalteten Kacheln gefüllt. Eine spezielle Klarlackschicht schützt die Tonkacheln vor mutwilliger Beschädigung durch Graffittis.

Volksbank
In der Wilhelm-Külz-Straße in Rathenow, gegenüber von dem alten Postgebäude, befindet sich ein erhaltenes historisches Gebäude. Die Volksbank Rathenow eG hat hier ihren Sitz und feierte im Jahr 2007 125-jähriges Bestehen. Genau wie die Stadt kann auch die Volksbank Rathenow eG auf eine bewegende Geschichte zurückblicken:
Als am 21. September 1882 achtzehn Bürger Rathenow´s den Westhavelländischen Kreditverein gründeten, war dies das Ergebnis einer Bewegung, die Mitte des 19. Jahrhunderts durch Friedrich Wilhelm Raiffeisen, Hermann Schulze-Delitzsch und später auch Wilhelm Haas ins Leben gerufen wurde. Das Kleinbürgertum, Handwerker und Bauern konnten ihren Kapitalbedarf oft nur bei Zinswucherern decken, da die damaligen Privatbanken ihr Kapital in den vermeintlich lukrativeren Bereich der sich stark entwickelnden Industrie und den Ausbau der Eisenbahnen investierten. Somit besannen sich die Menschen auf ihre eigene Kraft und gründeten als Selbsthilfeorganisation nach dem Motto „Einer für Alle, Alle für Einen“ ihre eigene Bank in der Rechtsform einer Genossenschaft, deren Mitgliederzahl sich heute (2007) auf 3.142 beläuft. Die Zahl der Kunden bewegt sich aktuell um 25.000 und die Bilanzsumme beträgt am 31.12.2006 198 Mio. Euro. Das Geschäftsgebiet hat sich durch Fusionen mit Nachbarkreditgenossenschaften längst über Rathenow hinaus auf das Westhavelland und die Region um Havelberg und Schönhausen erweitert.
Das erste Geschäftslokal befand sich in der Neustädtischen Apotheke, 1. Treppe, Paradeplatz (heute Schleusenstraße) und wurde bereits 1883 in die Fabrikenstraße 6 (heute Wilhelm-Külz-Str.) verlegt. Als hier die Räume nicht mehr ausreichend waren, erfolgte der Umzug zurück zum Paradeplatz, diesmal in das Haus Nr. 4 (früher Buchdruckerei Babenzien). Die Mitglieder beschließen eine Änderung des Banknamens in „Westhavelländische Vereinsbank e.G.m.b.H.“, den sie bis zum Jahre 1939 beibehält.
Aus den Protokollen ist in den Jahren um 1905 eine rege Kreditvergabe festzustellen, andererseits wird am 4.8.1906 ein Kreditantrag von 1.500 Mark des Karl Bolle, Milow (Milch-Bolle) abgelehnt! In den Folgejahren beschäftigt man sich relativ häufig mit Problemen von Ziegeleibesitzer in Döberitz, Albertsheim und Milow und muß letztendlich Kreditausfälle registrieren. 1912 mahnt die Verbandsrevision zur Vorsicht bei Krediten. Die Bank befindet sich inzwischen, seit 1910, im Hause Wienkoop, Berliner Straße.
1914 wird der Fabrikbesitzer Jungnickel mit dem Kauf eines bankeigenen Grundstücks in der Dunckerstraße beauftragt. Die Bilanzsumme beträgt zu dieser Zeit 4,5 Mio. Mark, der Reingewinn beträgt im Geschäftsjahr 1913 58.170,64 Mark und es wird eine Dividende von 6% gezahlt.
Der 1. Weltkrieg bzw. dessen Auswirkungen werden in den Vorstands- oder Aufsichtsratsprotokollen nur wenig erwähnt und hinterlassen offensichtlich kaum Spuren in der Geschäftsentwicklung der Bank. Die jungen Aktien der Fa. Richter & Co. (damals größter Dreschmaschinenhersteller Brandenburgs) von 950.000,-- Mark übernimmt die Bank zum Kurs von 120%. Der von Stechow´schen Nachlassverwaltung wird gegen Eintragung einer Sicherungshypothek weiterer Kredit gewährt. Das inzwischen erworbene Wohn- und Geschäftshaus Dunckerstr. 2 (heute Berliner Str. 11) wird umgebaut und im Oktober 1920 bezogen, die erste Aufsichtsratssitzung im neuen Domizil der Bank findet am 19.11.1920 statt. Ab dieser Zeit finden sich in den Protokollen Hinweise auf inflationäre Tendenzen und steigende Kreditinanspruchnahmen.
1921 wird Herr Wolf, der die Bank ab 1945 leitet zum „Bankvorsteher“ ernannt, Direktor ist weiterhin Herr Blößer. Bis 1924 erlebt die Bank turbulente Inflationszeiten. Das Jahresgehalt für Direktor Blößer steigt von 72.000,-- Mark im Jahr 1922 auf 75.000.000.000,-- Mark Ende 1923. Aus einem Protokoll vom 7.9.1923 ist zu entnehmen, dass die Aufwandsentschädigung für Aufsichtsratssitzungen sich nach dem Preis von 1 Pfund Butter bemisst, der jeweils am Monatsersten beim Kaufmann Karl Knütter zu erfragen wäre. In diese Zeit fällt auch die Gründung einer eigenen Zentralkasse „Westhavelländische Kredit Aktien Gesellschaft (WeKA)“ durch die Kreditgenossenschaften der Landkreise Westhavelland und Jerichow II unter Führung des Westhavelländischen Vereinsbank e.G.m.b.H..
1924 schrumpft die Bilanzsumme auf 42.184,30 Goldmark. Die Bank scheidet aus dem Offenbacher Revisionsverband aus und schließt sich dem Reichslandbund an. Die Kassenrevision auf Basis „Rentenmark“ ergibt einen Bestand von 13.560,77 Rentenmark. Anfang der 30er Jahre erlebt die Bank nochmals Turbulenzen und kommt in eine Schieflage, wie es sich aus den Protokollen ergibt. Direktor Blößer wird fristlos entlassen und auf Schadensersatz in Höhe von 21.700,-- Reichsmark verklagt. Vom Verband Brandenburger Genossenschaften wird die Arbeit der Bank stark kritisiert. Der neue Vorstand, Bankdirektor Vollborn, informiert den Aufsichtsrat 1933 über Verlust und Risiken von rund 400.000,-- RM und notwendige Staatshilfe für die Bank von rund 170.000,-- RM.
Im Februar 1934 teilt Direktor Vollborn dem Aufsichtsrat mit, dass gegen ihn eine Anzeige beim Reichswirtschaftsministerium vom Angestellten Lenz vorliegt. In der Folgezeit wird Herr Handke zum Direktor berufen und Herr Vollborn aus der Bank „entfernt“. Herr Wolf wird in Anerkennung seiner langjährigen Tätigkeit zum stellvertretenden Direktor ernannt. Den heutigen Namen erhielt die Bank vorübergehend bereits 1939 bis zur Währungsreform 1948. Den Kampfhandlungen in den letzten Kriegstagen 1945 fiel auch das schöne Neorenaissance-Gebäude der Volksbank Rathenow zum Opfer. Es wurde später in der heutigen Form wieder aufgebaut. Bis zum Wiederaufbau wurden die Bankgeschäfte im Gebäude der Fa. Knappe, Getreidegroßhandel, am Schleusenplatz abgewickelt. Es folgte eine Zeit massiver Einflussnahme durch die Besatzungsmacht bzw. den Staat auf die immer noch selbständige, aber in ihrem freien Handeln stark eingeschränkte Kreditgenossenschaft. Die politisch motivierte Einflussnahme führte in der Zeit bis 1990 zu verschiedenen Namensänderungen; „Bank für Handwerk und Gewerbe“ ab 1948, „Genossenschaftsbank für Handwerk und Gewerbe“ ab 1971 und „Genossenschaftskasse für Handwerk und Gewerbe“ ab 1974.
Ein wichtiger Schritt zur heutigen Größe der Bank war die Verschmelzung mit den Nachbargenossenschaften Premnitz und Rhinow in den Jahren 1960/61.
Mit der Wiedervereinigung im Jahre 1990 begann ein neues Kapitel der Bank, als die Mitglieder im Mai des gleichen Jahres in freier und geheimer Wahl wiederum eine Namensänderung in „Volksbank Rathenow eG“ beschlossen und in gleicher Weise ein neuer Aufsichtsrat gewählt wurde. Die Bilanzsumme betrug am 31.12.1990 umgerechnet 29 Mio. Euro, die Mitgliederzahl belief sich auf 461. Den Jahresabschluß zeichneten als Mitglieder des Vorstands Gabriele Meck, Wolfgang Ohst und Hans Teschner; als Mitglieder des Aufsichtsrates Joachim Klenke (Vors.), Lothar Saß, Adolf Zellmer, Horst Handel, Horst Lüdecke, Klaus Schossau, Kurt Hanschmann, Bernd Neubauer und Gerhard Püttcher.
Weitere Meilensteine in der Entwicklung der Bank waren schließlich folgende Verschmelzungen mit benachbarten Kreditgenossenschaften:
1992 Raiffeisenbank Rathenow-Nennhausen eG, Rathenow
1997 Raiffeisenbank Westhavelland eG, Rathenow
1999 Raiffeisenbank Schönhausen eG, Havelberg
Heute ist die Volksbank Rathenow eine in der Region stark verwurzelte genossenschaftlich organisierte Bank, die sich immer noch ihren Mitgliedern und der Region verpflichtet fühlt, so wie es das Genossenschaftsgesetz im Paragraphen 1 vorsieht und sich die Gründerväter unserer Bank 1882 vorgestellt haben.
Offizielle Internetseite der Volksbank Rathenow eG: www.vbrn.de. Anlässlich des 125-jährigen Jubiläums der Volksbank Rathenow im Jahr 2007 wurde eine Bürgerstiftung für die Region Rathenow gegründet. Sie soll langfristig ein Stiftungsvermögen aufbauen und aus dessen Erträgen eine Vielzahl unterschiedlicher wohltätiger Projekte in der Region Rathenow fördern. Die offizielle Internetseite: www.buergerstiftung-rathenow.de.



Berliner Str. 74

Das Backsteingebäude an der Berliner Str. 74, gegenüber der Post, dem Abtragejungen und der Volksbank Rathenow eG ist geprägt durch rote Steinklinker, zahlreichen Verzierungen und einem Spitzturm. Es wurde im Jahr 1892 errichtet, als der damalige Zietenplatz neu gestaltet wurde. Das Gebäude diente bis zur starken Beschädigung 1945 als Sitz einer Bank, 45 Jahre später bezogen Bankangestellte dieser Bank wieder dieselben Räumlichkeiten. Vorher wurde das denkmalgeschützte Gebäude nach originalgetreuen Unterlagen saniert. Derzeitig steht das Gebäude leer.


Märkischer Platz
Ein paar Meter weiter die Berliner Straße entlang, am City-Center entlang, befindet sich der Märkische Platz. In Rathenow ist der Märkische Platz mit dem Kulturhaus das kulturelle Zentrum der Stadt. Dazu kommen verschiedenste Veranstaltungen, Austellungen und Festlichkeiten, die immer wieder Bürger und Besucher anlocken. Das angrenzende City-Center, weitere Geschäfte, eine Diskothek und Restaurants laden zum spontanen Shoppen oder Ausgehen ein. 2011 wurden umfangreiche Umbau- und Sanierungsarbeiten am Märkischen Platz und dem Teilstück der Berliner Straße begonnen und 2012 fertiggestellt.

Der Bau des Kulturhauses an der Berliner Straße Ecke Goethestraße sollte nach den gravierenden Zerstörungen in Rathenow ein Zeichen des Neubeginns setzen, auch auf dem kulturellen Bereich. Der großzügige Prunkbau im neuelektizistischen Stil mit Freitreppe und mit antiker Säulenordnung verleiht dem Kulturhaus am Märkischen Platz eine Zentrumsfunktion.



Rathaus
Das heutige Rathaus mit der Stadtverwaltung in dem ehemaligen Verwaltungsgebäude der Firma “Optischen Werke Nitsche & Günther” und später ab 1948 der “Rathenower Optischen Werke” (ROW) in der Berliner Straße. Beim Bau des Gebäudes 1912 wurden zahlreiche Knochen in einem Massengrab, der in der Region im Jahre 1675 gefallenen Schweden, gefunden. 1996 / 97 wurde das Gebäude umfangreich saniert.



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