Haeslerbauten
Von 1928 bis 1929 wurden die sozialen Wohnbauten am heutigen Friedrich-Ebert-Ring nach dem Vorbild des berühmten Bauhauses in Dessau unter der Leitung des Architekten Otto Haesler, ein Schüler vom Professor Gropius, errichtet. Geplant war der Bau von zehn Zeilen mit 600 Wohnungen. Durch die Wirtschaftskrise und die an die Macht kommenden Nationalsozialisten wurden nur fünf Zeilen mit 300 Wohnungen realisiert. Der Bauherr war der 1905 gegründete Rathenower Bauverein, eine Genossenschaft Rathenower Arbeiter, dessen Ziel die Linderung der Wohnungsnot nach dem Ersten Weltkrieg war. Der neue Baustil fand um 1930 allerdings nicht nur Freunde. Die Bevölkerung war noch an den alten Baustil gewöhnt und spottete über die neue Bauweise mit Flachdach, man nannte das Viertel einst “Neu Jeruselem”. Die räumliche Aufteilung und die zentrale Wärme- und Wasserversorgung bedeuteten damals einen technischen Fortschritt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg war das Wohnen in diesen Bauten eher eine Qual. Die Zentralheizung war außer Betrieb, warmes Wasser oder eine funktionierende Heizung ein Fremdwort. 1947/48 wurde das Viertel von den russischen Besatzern geräumt und besetzt. Da sie mit dem Betrieb der Häuser nicht zurecht kamen, wurden sie einige Zeit später wieder freigegeben. Erst mit dem Anschluss an das neue Heizwerk kehrte Normalität in die Versorgung der Wohnungen zurück.
Die unteren Aufnahmen sind wahrscheinlich um 1930, kurz nach der Fertigstellung, entstanden. Zu dieser Zeit hieß die Straße noch Adolf-Hitler-Ring.
Weitere Bauten des Architekten Haesler mit 147 Wohnungen entstanden 1949 bis 1951 in der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Innenstadt in der Berliner Straße am Platz der Jugend. Bei diesem Projekt warem dem Architekten aber wegen Materialknappheit Grenzen gesetzt. So musste zum Beispiel auf eine Zentralheizung verzichtet werden, sodass die Wohnungen ursprünglich mit eigenen Ofenheizungen ausgestattet wurden.
Weitere Bauvorhaben Otto Haeslers wurden in Rathenow nicht mehr durchgesetzt, auch nicht die Vollendung des Wohnparks am Friedrich-Ebert-Ring.