Weinberg
Um vom Stadthafen aus zum Bismarckturm zu gelangen, kommt man an der alten Feuerwehrwache vorbei, durchquert das Torhaus, gelangt über den alten Friedhof zur Auferstehungskirche und durchschreitet den Weinbergpark.

Das Torhaus
Das Torhaus am Haupteingang des Weinbergfriedhofes am Stadthafen wurde 1759 erbaut. Von hieraus offenbart sich ein wundervoller Blick auf die Baumallee, die zu einer großen Treppe führt, die die alte Friedhofsmauer durchbricht.

Wie viele andere Gebäude auch, war das Torhaus, welches lange als Kapelle und Leichenhalle benutzt wurde, sehr baufällig und sogar einsturzgefährdet. Der Verein "Memento" setzt sich für die Instandhaltung und Gestaltung des Friedhofes ein, so auch für das Torhaus. Seit 2001 bemühte sich der Verein "Memento" um die Sanierung des Torhauses.

Am 19. Oktober 2005 war es endlich soweit: Das sanierte Torhaus wurde der Öffentlichkeit übergeben. Etwa 100 Rathenower waren anwesend. Das Vorhaben zur Erhaltung dieses Kulturerbes kostete rund 350.000 Euro. Nachdem das Haus den Toten gehörte, dient es heute als Begegnungsstätte mit Meditations- und Ausstellungsraum.

Während der Sanierung wurden ungewöhnliche Entdeckungen gemacht. Bauarbeiter haben bei Stemmarbeiten ein großes Kellergewölbe entdeckt. Der Fund war völlig überraschend, denn niemanden war etwas über die Gruft bekannt. Selbst in alten Bauplänen war die Gruft nicht eingezeichnet. Die Gruft wurde beim Bau wahrscheinlich als Keller angelegt und später zur Begräbnisstätte umgewandelt. Denn in dem Kellergewölbe befanden sich zudem noch vier Särge und menschliche Knochenreste. Vermutlich stammen die Särge aus dem 19. Jahrhundert, denn darauf lassen typische Blechbeschläge an den Seiten schließen. In Absprache mit Denkmalschützern wurde das Gewölbe mitsamt den Funden wieder verschlossen, damit die Totenruhe nicht gestört wird. Die Arbeiten am Torhaus verzögerten sich durch den Fund nicht.


Weinbergfriedhof
Der 1732 angelegte und 18 ha große Friedhof am Weinberg wird nicht nur von Trauernden aufgesucht, sondern auch von Spaziergängern, die einfach nur die schöne Landschaft genießen und das Gelände besichtigen wollen. Das Friedhofsgelände galt einmal als einer der schönsten Friedhöfe in Deutschland, 1932 wurde er sogar zum zweitschönsten Friedhof in Deutschland gewählt. Doch leider wurde das Gelände lange nicht gepflegt und hat stark gelitten. Während des Zweiten Weltkrieges verlief eine Hauptkampflinie quer über den Friedhof, weswegen viele Denkmäler, Gräber, Grabsteine und Bauten zerstört oder stark beschädigt wurden. Nach dem Krieg fehlte es der Bevölkerung an allem, sodass das Gelände eher vernachlässigt wurde. Doch der Verein Memento e.V. hat dem jedoch den Kampf angesagt. Er setzt sich für den Wiederaufbau des denkmalgeschützten Friedhofes samt Gräber ein. Der 2001 gegründete Verein versucht auch mit Veranstaltungen das Geschichtsbewusstsein der Bevölkerung zu wecken und seine Arbeit publik zu machen. So fand im November 2005 bereits der 2. "Rathenower Tag des Friedhofes" statt. Die bisher größte Leistung ist unbestritten die erfolgreiche Restauration des zerfallenen Torhauses. 
Ein anderes Denkmal, eines von vielen Baukunstwerken auf diesem Friedhof, war viele Jahre unberührt und dementsprechend zugewuchert. ABM-Kräfte haben es 2005 von seiner pflanzlichen Hülle befreit und seine Schönheit der glasierten Backsteine offengelegt.


Wenn man an der Friedhofsmauer entlang geht, stößt man unter anderem auf die Gräber zweier großer Persönlichkeiten Rathenows. Aber nicht nur dieser beiden. Für die Stadt wichtige Familien und Persönlichkeiten wurden in den Bögen an der Stadtmauer begraben. Die Familien Nitsche, Meuß und Schönermark sowie wichtige Persönlichkeiten wie Heinrich von Rosenberg, Dr. A. Noethe und Offiziere der Zietenhusaren, gehören auch dazu.

Auferstehungskirche
Die Auferstehungskirche wurde von Dr. Steinberg entworfen, seit 2014 gebaut und am 12.11.1917 eingeweiht. Im Jahr 1938 erhielt sie eine Orgel der Potsdamer Firma Schuke. Sie wurde bis 1945 als Friedhofskapelle benutzt.

Da die Sankt-Marien-Andreas-Kirche nach dem 2. Weltkrieg ausgebrannt war, wurde die Auferstehungskirche in den ersten Nachkriegsjahren als Kirche benutzt, denn ihre Beschädigungen haben sich hauptsächlich nur auf den Turm beschränkt. Ihre Lage bot in den letzten Kriegstagen hervorragende Bedingungen für die Flak und war damit ein Ziel für alliierten Truppen.

Die Turmspitze wurde lange Zeit nicht wieder aufgebaut. Erst im Oktober 2013 wurde mit den Arbeiten des Wiederaufbaus der Kirchturmspitze begonnen. Jahrelange Bemühungen des Vereins Memento e.V. trugen endlich Früchte und Rathenow bekam wieder sein seine ursprüngliche Himmelslinie mit drei Türmen (Bismarckturm, Auferstehungskirche und Sankt-Marien-Andreas-Kirche). Um die Turmspitze wieder aufzubauen, musste im ersten Schritt die Tragfähigkeit des Turmstumpfes wiederhergestellt werden. Die Witterung nagte in den vorangegangenen Jahrzehnten sichtlich an Eisenträgern und Betondecke. Erst am 24. März 2015 wurde im zweiten Schritt mithilfe eines Krans die Spitze aufgesetzt. Mit der Fertigstellung der Kirchturmspitze hat die Auferstehungskirche wieder eine Höhe von 39 Metern.

Im Oktober 2016 wurde als weiteres wichtiges Projekt mit der aufwendigen Neueindeckung des Kirchendaches begonnen, mit etwa 18.000 ziegelroten Biberschwänzen originalgetreu wie damals im Jahr 1917. Beim Abdecken des Daches fanden die Dachdecker zum Teil sogar noch Biberschwänze aus dem Jahr 1917 vor, die der Kirche zurückgegeben wurden und erhalten bleiben.

Nur wenige Bürger Rathenows wissen, dass die ehemalige Friedhofskapelle heute Auferstehungskirche heißt. Denn in der Nachkriegszeit wurde sie zweckgemäß umgetauft, da die St.-Marien-Andreas-Kirche als Kirche unbrauchbar war.

In dieser Kirche wurde bis 2006 nur eine Hochzeit gefeiert.

Der Verein Memento e.V. hat sich mit den erfolgreichen Baumaßnahmen an der Auferstehungskirche auch erfolgreich für das Torhaus eingesetzt. Ein weiteres Projekt ist der geplante "Lichtweg" vom Friedhof zum Bismarckturm, der aus Findlingen bestehen soll, auf denen biblisch Sprüche stehen.


 



Weinbergpark
Der Weinbergpark, dessen Name tatsächlich vom hier betriebenen Weinanbau zurück geht, schließt sich harmonisch der historischen Altstadt mit dem Kirchberg an. Das Torhaus am Stadthafen empfängt die Besucher auf dem 20 Hektar großen Park, wovon 15 Hektar Wald sind. Als Vorbereitung zur Landesgartenschau wurde der Weinberg und der angrenzende Park neu gestaltet: Das bestehende Wegenetz wurde fast unverändert übernommen, dazu wurden noch neue Sichtlinien zum Kirchturm der St.-Marien-Andreas-Kirche und zur Schwedendamm-Insel herausgearbeitet. Der Park erhielt Unterpflanzungen aus Waldstauden, schattenliebenden Gräsern, Farnen, Rhododendren und Azaleen. Ein Lehrpfad zeigt Kräuter und erklärt deren Bedeutung und Anwendung. Selbst eine behindertengerechte Fußgängerbrücke auf Stelzen erstreckt sich von der Heidefeldstraße durch das Gelände des Weinbergs zum sanierten Bismarckturm.