Bahnhofstraße
Die Bahnhofstraße in Rathenow zeugt mit ihren historischen Bauten noch heute von einer bedeutenden Vergangenheit. Am meisten stechen hierbei die ehemaligen Zietenkasernen, das Amtsgericht und das Hotel Fürstenhof hervor, die heute wieder im alten Glanz erstrahlen. Neu gestaltete Fußwege lassen Besucher die geschichtsträchtige Straßenverbindung zum Hauptbahnhof bequem zufuß erkunden.
Dabei haben zwei Generationen diese Straße lange Zeit nicht kennenlernen können. Denn seit 1945 diente sie der sowjetischen Besatzungsmacht, sodass sie für Bürger bis zum 27. November 1992 nicht zugänglich war. Im Jahre 1885 gab es in der Bahnhofstraße nur vier Gebäude, eines davon war das Bahnhofsgebäude. Die Bebauung schritt zu dieser Zeit so zügig voran, sodass bereits zur Jahrhundertwende fast die gesamte Straße bebaut war. Zu diesem Zeitpunkt gehörte der Bahnhof allerdings nicht mehr zur Bahnhofstraße.
Im September 2005 wurde die Erneuerung der Gehwege in der Bahnhofstraße abgeschlossen. Die Gehwege waren teilweise in einem desolaten Zustand: Sie waren holprig, unansehnlich und wahllos geflickt. So kamen die vielen sanierten und neuen Häuser in der Bahnhofstraße nicht zur Geltung.







Zietenkasernen
Nach dem zweiten Weltkrieg wurden die Kasernen von den russischen Truppen genutzt. Auch vorher wurden die Kasernen von militärischen Einrichtungen bzw. von der Polizeireitschule genutzt. Nachdem die russischen Truppen 1994 wieder abgerückt waren, standen die Kasernen lange leer und verkamen immer mehr. Mit der Sanierung der Kaserne 1999 und der Umwandlung in den Zietenwohnpark mit einem Investitionsvolumen von 9 Mio. € bekamen die alten Backsteingebäude ihre Schönheit wieder zurück. Auch ich habe einige Jahre in diesem Wohnpark gewohnt. Die hohen Räume, die weiten Flure, die zentrale Lage und vor allem die Mischung aus der modernen Einrichtung und der langen Geschichte haben ihren Reiz.


Das kleine Wachhaus der 1889 bis 1891 erbauten Zietenkaserne steht in der Bahnhofstraße zwischen den großen Kasernengebäuden. Heute befinden sich auch im alten Wachhäuschen Mietwohnungen.


Amtsgericht
Nach dem Erlass des Reichsjustizgesetzes 1879 wurde Rathenow Sitz eines königlich-preußischen Amtsgerichtes. Dafür wurde ein würdiger, repräsentativer Bau benötigt: Es wurde ein Gebäude aus Rathenower Ziegeln von 1903 bis 1905 erbaut. Der Standort des heute denkmalgeschützten Gebäudes ist in der Bahnhofstraße. Da sich das Gebäude in Zeiten des wirtschaftlichen Wachstums mehrfach als zu klein erwies, wurde es von 1935 bis 1996 mehrfach erweitert.

Offizierscasino
In der Nacht vom 04.04.-05.04.2008 um 4.29 Uhr wurden die Feuerwehren aus Rathenow und Umgebung zu einem Großbrand im Stadtzentrum von Rathenow gerufen. Das ehemalige Offizierscasino der Zietenhusaren, welches später von der russischen Armee genutzt wurde, stand lichterloh in Flammen. Bei diesem Großbrand waren insgesamt 7 Wehren (Rathenow, Göttlin, Semlin, Böhne, Grütz, Steckelsdorf und Premnitz) mit 17 Fahrzeugen und 89 Einsatzkräften bis zum frühen Nachmittag im Einsatz. Die starke Zerstörung des unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes konnte nicht verhindert werden, es ist jetzt einsturzgefährdet. Der straßenseitige Giebel wurde deswegen sicherheitshalber sofort durch eine Baufirma abgetragen. Nach der Brandursache wird noch gesucht. Brandstiftung wird nicht ausgeschlossen, da sich im Gebäude wiederholt Unbefugte aufgehalten haben und Gas- sowie Elektroanschlüsse seit Jahren abgeschalten sind.
An der Stelle, an der das Offizierscasino steht, befand sich bis 1902 die erste Rathenower Gasanstalt.