Die alte Konsum-Mühle
Die historischen Mühlen sind ein stadtbildprägender, erhaltenswerter Gebäudekomplex, die unter Verwendung von ZiS-Fördermitteln saniert wurden. Leider wurde ein drittes, seperates Mühlengebäude an der Mühlenstraße 1996 bei einem Großbrand so stark beschädigt, dass es wegen Einsturzgefahr abgerissen werden musste.

Der verbleibende Mühlenkomplex wurde für die Nachnutzung nach der Landesgartenschau mit verschiedensten, öffentlichen Einrichtungen zentral zusammengefasst und damit für alle Bürger zugänglich gemacht.

Die Umbaumaßnahmen am Mühlenkomplex haben früh begonnen, bereits am 31. August 2005 um 19 Uhr war Richtfest, bei dem der Zimmermann seinen letzten Nagel ins Gebälk hämmerte. Unter anderem wurden die Musikschule und das Haus der Jugend der Stadt Rathenow in der Mühle untergebracht.

Diese ehemaligen Mühlen- und Speichergebäude waren während der Landesgartenschau der Standort für die Florahalle. Dieser Gebäudekomplex hat eine hohe Lagegunst am Wasser. Die Nachnutzung sollte einen sportlichen und kulturellen Inhalt haben, was unter anderem durch den Optikpark gelang.

Die Backsteinarchitektur des alten Mühlenkomplexes stammt aus dem 19. Jahrhundert. Für den ersten massiven Zellenspeicher wurde im Jahr 1893 der Grundstein gelegt, im Jahr 1940 folgte der Bau eines modernen Betonsilos. Dadurch stieg die Lagerkapazität auf 4500 Tonnen Getreide. In den Spitzenzeiten wurden hier täglich 50 Tonnen Getreide verarbeitet, davon 30 zu Haferflocken, die lange Zeit ein Exportschlager waren. Denn die alte Mühle war einst die einzige Hafermühle Ostdeutschlands. Nach der Wende wurde die Haferflockenproduktion eingeschränkt und 1991 letztendlich ganz eingestellt.

Damit die alte Mühle einer der ansehnlichen Veranstaltungspunkte der Laga werden konnte, musste viel geändert werden. Der lange Leerstand hat stark an der Bausubstanz der Mühle genagt, sie war teilweise abbruchsreif.
Als erstes wurden an den einzelnen Gebäudeteilen ein großes Baugerüst errichtet, um die Fassaden der beiden Speichergebäude auszubessern und zu erneuern. Weiterhin wurden die Dachziegel, die Fenster und Türen erneuert. Um die Gebäude in Betrieb zu nehmen, mussten der Elektro- und Trinkwasseranschluss erneuert werden. Ein Bootssteg und ein großes Lagagemälde zur Havelseite runden das Bild ab. In den Gebäuden wurden zur Laga nicht nur Blumen ausgestellt, sondern auch Technik aus der Geschichte der Gebäude. Eine Besonderheit sind die beiden Aussichtsmöglichkeiten auf dem obersten Stockwerk des Zellenspeichers. Von hieraus hat man einen tollen Ausblick auf den südlich gelegenen Freizeitpark Schwedendamm und das nördlich gelegene Ländchen Rhinow.

Die Bauarbeiten in der alten Mühle und dem Kontorgebäude standen im Dezember 2005 kurz vor dem Abschluss. Somit war das ehrgeizigste Rathenower Bauprojekt der letzten Jahre abgeschlossen. Am 28. Dezember 2005 wurden die Blumenhallen feierlich übergeben.



Geschichte der Konsum-Mühle
Das damalige Werk 1 am Schwedendamm, in dem ein Teil der Laga ausgetragen wurde.

Am 30.06.1848
war die Grundsteinlegung für den noch heute erhaltenen Mühlenkomplex.

1853
wurde ein Kornspeicher angebaut und
1880

eine Elevatorausladevorrichtung.

1889
wurde ein Maschinen- und ein Kesselhaus mit einem 36 Meter hohen Dampfschornstein errichtet.

1893
wurde der Zellenspeicher ausgebaut.

Im Jahr 1900
wurde der Betrieb zur Großmühle.

Während des Ersten Weltkrieges
ging der Privatbesitz an eine Aktiengesellschaft über.

1937
wechselte die Aktiengesellschaft wegen Spekulationsgeschäften an der Getreidebörse wieder in Privatbesitz der Familie Karow.

1940
wurde der Bau des neuen Zellenspeichers mit einer Lagerkapazität von 4500 Tonnen vollendet.

1945
lag der Geschäfzsbetrieb wegen der Kriegshandlungen kurzzeitig brach.

Nach dem Zweiten Weltkrieg
wurde das Großkapital entmachtet und der Betrieb wurde Volkseigentum der Konsumgenossenschaft.

1956
wurde eine automatische Schiffssauganlange installiert.

1972
wurden mehrere Mio. Mark investiert, um aus dem Komplex eine der modernsten Haferflockeanlagen zu errichten.

1991
wurden die Mühlen aus wirtschaftlichen Gründen endgültig geschlossen.


Die alte Wassermühle
Der Blick vom Mühlendamm auf die Sankt-Marien-Andreas-Kirche änderte sich drastisch. Früher mit der alten Wassermühle und ohne Kirchturmspitze, heute ohne Wassermühle und mit Kirchturmspitze. An dieser Stelle wurde später das neue Rathenower Mühlenwehr mit Kosten von rund 6,8 Millionen Euro gebaut, um die Hochwassergefahr zu bannen. Der Neubau war nötig, weil das über hundert Jahre alte Wehr nicht mehr in der Lage war, bei größeren Überschwemmungen das Wasser schnell genug in den Unterlauf der Havel abzuführen. Die Menge des abführbaren Wassers wird auf 180 Kubikmeter pro Sekunde beziffert, vor dem Bau waren es nur 15. Die Bauzeit betrug zweieinhalb Jahre.
Der Neubau der im Jahr 1914 gebauten Hinterarche war das nächste Bauprojekt des Wasser- und Schifffahrtsamtes. Die geplante Investitionssumme betrug 9 Millionen Euro, der Abriss der alten Anlage begann Ende 2008. Danach sollte ab 2009 das Vorderarchenwehr abgerissen und durch einen Damm mit Durchlass ersetzt werden. Hier betrug die geplante Investitionssumme 1,5 Millionen Euro. In Fachkreisen werden diese Baumaßnahmen im Gesamten als “Rekonstruktion der Staustufe Rathenow” genannt.


Geschichte der Wassermühle
Das Werk II am Mühlendamm.

Bis 1848
war die Mühle im Besitz der Stadt, danach ging sie in Privatbesitz über.

1890
wurde der Vordermühle abgerissen und ein 4-stöckiges Mühlengebäude erbaut.

1911
wurde die Wassermühle durch ein Großfeuer zerstört.

1923
wurden die alten Wasserräder demontiert und eine Wasserkraftstation mit drei Francis-Turbinenpaaren errichtet.

1935
wurde die Hintermühle am Mühlendamm abgerissen.

Bis 1945
war die Mühle im Besitz der Familie Karow.

Nach dem Zweiten Weltkrieg
kam die Mühle in den Besitz der Konsumgenossenschaft Berlin.

1946
wurde der gesamte Mühlenflügel durch ein Großbrand zerstört. Der Wiederaufbau dauerte bis 1949.

1950
wurde die Weizenmühle durch eine Haferflockenanlage ersetzt. Im Januar diesen Jahres verließ der erste Waggon mit Haferflocken die neu errichtete Haferschälmühle.

Bis Ende 1963
verpackten etwa 20 Frauen die Haferflocken von Hand.

1964-1965
wurde eine halbautomatische Verpackungsanlage errichtet, um 14 Arbeitskräfte einzusparen. Die damalige Tagesleistung betrug 30 Tonnen Hafer zur Produktion von 16 Tonnen Haferflocken.

Am 07.08.1996
brannte die leerstehende Mühle an der Mühlenstraße bis auf die Grundmauern nieder und musste wegen Einsturzgefahr abgerissen werden. Es hätte aber wahrscheinlich spätestens bei dem Neubau der Wehranlage abgerissen werden müssen, um den Bau erfolgreich oder ohne erhebliche Mehrkosten abschließen zu können.