Stille Pauline
Mit dem Bau der 750-mm-spurigen Kreiskleinbahn, die im Volksmund “Stille Pauline” genannt wird, wurde bereits 1898 begonnen. Am 1. April 1900 wurde der 31,5 km lange Abschnitt Rathenow – Senzke – Paulinenaue eröffnet, am 1. Oktober 1901 kam der 20,1 km lange Abzweig Senzke – Nauen hinzu. Die reinen Baukosten betrugen 1.525.602 Mark, 73.102 Mark mehr als vorgesehen.
Die amtliche Bezeichnung der “Stillen Pauline” war “Kreisbahn Rathenow – Senzke – Paulinenaue – Nauen” bzw. “RSPN” oder “RSN”. Neben dem Personentransport spielte der Gütertransport in dem überwiegend landwirtschaftlich genutzten Teil des Kreises Rathenow eine sehr wichtige Rolle.
Nach dem ersten Weltkrieg sank wegen dem zunehmenden Straßenverkehr die Transportleistung der Bahn empfindlich. Darüberhinaus wurden die in den ersten Jahren erwirtschafteten Gewinne durch die zunehmende Inflation förmlich aufgefressen, sodass am 1. April 1924 der Reiseverkehr zwischen Senzke und Paulinenaue eingestellt wurde. Der Güterverkehr wurde auf diesem Abschnitt bis zum 31. März 1943 nur noch zur jährlichen Rübenchampagne betrieben.
Während des Zweiten Weltkrieges stieg die Personenbeförderung der RSN durch die Beförderung von Wehrmachtsangehörigen nochmal stark an. Doch wurde gegen Ende des Zweiten Weltkrieges die Kleinbahn-Brücke bei Landin vom Volkssturm gesprengt, um die anrückende Rote Armee aufzuhalten. Das bedeutete die vorläufige Betriebseinstellung der Bahn. Im Mai 1945 begann unter Beobachtung der Roten Armee die Demontage der Bahnanlagen. Einzig zwei Dampfloks, 36 Güterwagen und das 25,9 km lange Teilstück Nauen – Senzke - Kriele blieben verschont. 1949 wurde die Bahn von der Deutschen Reichsbahn übernommen, jedoch wurde 1961 der Betrieb gänzlich eingestellt, die Strecke stillgelegt und abgebaut.

Warenhaus Conitzer
Eines der bekanntesten Warenhäuser aus der Vorkriegszeit war das Kaufhaus M. Conitzer u. Söhne GmbH, welches sich wie viele andere Geschäfte in Rathenow im jüdischen Bestiz befand. Es wurde Anfang 1911 eingeweiht, besaß anfangs elf und ab 1928 sogar sechzehn große Schaufenster. Die große Verkaufshalle erhielt durch ein Glasdach Tageslicht. Nachdem 1933 die Nationalsozialisten an die Macht kamen, wurde es mehr und mehr boykotiert, 1938 ging es durch Zwangsenteignung in den Besitz der Firma Bünger über und brannte durch die Kriegshandlungen 1945 vollständig aus. Das Kaufhaus stand in der Berliner Straße Ecke Fehrbelliner Straße.


HO Kaufhaus
Die einzige Einkaufsmöglichkeit für Gebrauchsgüter und Textilien in Rathenow und Umgebung war nach 1945 ein erhalten gebliebenes Gebäude am früheren Markt 10, dem heutigen Platz der Jugend und genügte den Bedürfnissen der Stadt bei weitem nicht. Früher beherbergte es das Kaufhaus Bünger, nach 1945 ein Konsum-Kaufhaus, später ein Fahrrad- und Haushaltsgeräteladen und heute eine Druckerei.
Am 17. Mai 1950 wurde an der Berliner Straße, Ecke Fehrbelliner Straße ein Kaufhaus (Bild oben) eröffnet und sollte die angespannte Versorgungssituation entlasten. 1961 wurde das Bauwerk wegen mangelnder Tragfähigkeit gesprengt. Diese gravierenden Baumängel sind auf die fehlenden Fachkräfte in der Nachkriegszeit zurückzuführen.
Danach wurde am Märkischen Platz ein neues Kaufhaus gebaut, in dem sich heute das City Center befindet.

 

sonstige