1900
wird die neue Havelschleuse gebaut, im gleichen Jahr entsteht der neue Ort “Neue Schleuse” und die Lungenheilanstalt im Stadtforst wird errichtet.

Am
21. Juni 1901
werden in der Rathenower Zeitung an der neuen Schleuse Bauplätze zu mäßigen Preisen beworben.

1902
Mit dem Bau des Wasserwerkes werden 1904 auch die Wasserleitungen in der Stadt verlegt. Im gleichen Jahr werden die Altstädtische Gemeindeschule (1945 zerstört und nicht wieder aufgebaut) und ein Rennrestaurant am Vogelgesang errichtet.

Am
04. Februar 1903
wird im Lokal “Der große Kurfürst” die erste Rathenower Rudervereinigung gegründet.

Am
21. März 1903
wird in einer Polizeiverordnung die Sicherheit und Ordnung im Straßenverkehr geregelt.

1903 – 1904
wird die Altstädtische Apotheke in der Steinstraße gebaut. Die Inneneinrichtung und Fassade sind  noch heute im Jugendstil. Seit 1989 steht das Gebäude unter Denkmalschutz.

1904
Betriebseröffnung der Brandenburgischen Städtebahn. Im gleichen Jahr entsteht das Elektrizitätswerk  auf dem Gelände der ehemaligen Ratsziegelei in der Altstadt.
Auch die schweren Jahre der Not und des Hungers während des ersten Weltkrieges und danach werden vor allem auch durch die optische Industrie in Rathenow überwunden.
Wegen altersbedingter Baumängel an der Jederitzer Brücke dürfen Fuhrwerke, die schwerer als 3.000 Kilogramm sind, die Brücke nicht überqueren.
Anfang des Jahres sind falsche Zehnmarkstücke im Umlauf, im September diesen Jahres tauchen im Postamt falsche Markstücke aus “weichem Metall” auf.
In diesem Jahr werden folgende statistische Angaben veröffentlicht: Rathenow hat eine Gesamtfläche von 4169,7 Hektar, die Zahl der Gehöfte beträgt 1254, davon 712 mit Viehbestand. Es gibt 845 Vieh besitzende Haushalte, 1391 Pferde (davon 737 Militärpferde), 254 Rinder, 55 Schafe, 1110 Schweine, 302 Ziegen, 182 Gänse, 336 Enten, 7579 Hühner, 155 Bienenstöcke, im Stadtgebiet gibt es 4977 Apfelbäume, 4310 Birn-, 5731 Pflaumen- und 2757 Kirschbäume.

Am
03. September 1904
brennt im Stadtforst ein 50 Jahre alter Kiefernbestand, welches durch Funkenauswurf der Lokomotive der Stillen Pauline entfacht wurde.

1905
wird das Amtsgericht aus Rathenower Ziegeln gebaut und seiner Bestimmung übergeben. Zu dieser Zeit leben etwa 23.000 Einwohner in Rathenow. Die bisherigen Justizräume im alten Rathaus von 1567 reichen bei weitem nicht aus.
Im Frühjahr diesen Jahres fliehen bei einer Meuterei zwei Strafgefangene aus dem Rathenower Gefängnis, einer von ihnen kann erst  ein viertel Jahr später in Berlin aufgegriffen werden.

1906
entsteht die Göttliner Chaussee.

1907
wurde das alte Rathaus umfangreich renoviert, sodass städtische Behörden in das Gebäude einziehen konnten, welches viele Jahre als Gericht genutzt wurde.

1908 - 1910
werden die Jederitzer Brücke als Hubbrücke und die Lange Brücke aus Stein und Beton gebaut.

Am
15. April 1909
wird der Havelländische Heimatverein gegründet.

Am
01. Oktober 1910
wird “Neue Schleuse” eine selbstständige Gemeinde.

Am
23. Dezember 1910
landet der erste in Rathenow gesichtete “Aeroplan”.

1910
wird der Friedhof an der Weinbresse erweitert.

Am
29. März 1911
nimmt die erste öffentliche Automobildroschke in Rathenow ihren Betrieb auf, im Jahr 1914 sind es schon sechs und um Jahr 1925 neun.

Am
03. September 1911
wird das erste Kino in der damaligen Milower Str. 64 mit 145 Sitzplätzen eröffnet.

Am
15. Oktober 1911
überfliegt ein Doppeldecker die Stadt. Die meisten Bürger in Rathenow hatten bisher noch nie ein Flugzeug gesehen.

1911
wird das Kaufhaus Conitzer eingeweiht und der Paradeplatz (heute Schleusenplatz) bekommt anstatt der Pflastersteine Rasenflächen.

1913
beginnt der Unterricht am Lyzeum in der Schleusenstraße.

Am
01. August 1914
weiht der Ruderclub “Wiking” ein neues Bootshaus am Mühlendamm ein.

Am
02. August 1914
wird das Westhavelland über ein Extra-Blatt der Rathenower Zeitung über die Mobilmachung informiert, die am Vortag durch Wilhelm II befohlen wurde. Der Erste Weltkrieg nahm seinen verheerenden Lauf.

Im
Frühsommer 1914
landet das Luftschiff "Hansa" auf dem Sportplatz Vogelgesang.

1914
wird auf dem Weinberg der Bismarckturm errichtet. Der Erste Weltkrieg von 1914 - 1918 hinterlässt seine Spuren auch in Rathenow. In diesem Jahr gibt es in Rathenow drei Böttchermeister.

Im
September 1917
flüchtet der wegen Einbruchs inhaftierte Arbeiter Willi Hübener aus dem Amtsgerichtsgefängnis.

Am
21. November 1918
wird ein neues Arbeitsamt eröffnet.

1918
werden am Bahnhof die heimkehrenden Truppen festlich empfangen.

Der Wohnungsnotstand
1919
zum Bau von Wohnbaracken am Lutherplatz. In diesem Jahr wird auch das Apollo-Theater eröffnet.

Um die große Wohnungsnot zu lindern, werden in den Jahren
1919 bis etwa 1924
die Nord- und Südsiedlung gebaut. Beide Siedlungen erweitern sich kontinuierlich durch Neubauten bis in die Gegenwart.

1920 - 1921
wird Notgeld nach den Entwürfen von Horsa Lippert veröffentlicht.

1923
wird das Husarendenkmal am Café Rheingold enthüllt und der Rathenower Wassersportverein gegründet.

1924
wird das 1919 erbaute Apollo-Theater zur Opern- und Sprechbühne mit 1.000 Sitzplätzen ausgebaut.

1925
wird Rathenow kreisfreie Stadt (bis 1952) und hat etwa 25.000 Einwohner. 1927 sind es bereits 27.700.
Nach einer wochenlangen Dürre kommt es zu einem verheerenden Waldbrand, der zwei Tage über eine Länge von 16 km und einer Fläche von etwa  50 Quadratkilometer wütet.

In der Nacht zum
30. November 1925
kommt es zu einem spektakulären Raub auf dem Rathenower Bahnhof. Erbeutet werden 50.000 Mark in neuen gebündelten 10-Mark-Scheinen, Wertsachen und Wertpapiere. Trotz einer ausgeschriebenen Belohnung in Höhe von 5.000 Mark wird der Raub nie vollständig aufgeklärt. Nur eine Mittäterschaft kann 20 Jahre später durch einen Wertsachenfund in einem Keller dem seinerzeitigen Schuldirektor nachgewiesen werden.

Am
5. September 1926
wird ein kleines Betshaus der jüdischen Gemeinde in der Fabrikenstraße 2 (heute Wilhelm-Külz-Straße) in Gegenwart des Oberbürgermeisters, der Stadtverordneten und der geistlichen Konfessionen eingeweiht. Bereits 1927 wird es von politischen Hetzern in Brand gesetzt.

1927 / 28
wird das Rathenower Krankenhaus erweitert.

1928
beginnt der Neubau modernerer sozialer Wohnbauten am heutigen Friedrich-Ebert-Ring nach dem Vorbild des berühmten Bauhauses in Dessau unter der Leitung des Architekten Haesler. Die Arbeiten sind im wesentlichen 1929 abgeschlossen.

Am
13. Juni 1928
explodiert auf dem Rathenower Jahrmarkt der Wurstkessel eines hiesigen Fleischermeisters, beim Versuch neuen Spiritus aufzugießen. Sieben Personen erleiden teils schwere Verletzungen.

Am
01. Oktober 1928
eröffnet das dritte Rathenower Kino, das “Kapitol”.

Im Zuge des Baugeschehens entstehen in den Jahren
1928 - 1930
die Jahnschule (heutiges Jahngymnasium und heutige Jahn-Grundschule) in der Jahnstraße.

1929
wird das Werk Reißverschluss gegründet und es kommt zu einem großen Börsencrash, von dem auch die Rathenower Wirtschaft stark getroffen wird. Daraus resultieren zeitweilig mehrere tausend Arbeitslose, die erst durch die Aufrüstung wieder Arbeit finden.

1930
trotz Krieg und Inflation gibt es in der Stadt über 200 optische Betriebe. In der Stadt gibt es drei Autolackierereien, sechs Autohändler, zwei Tankstellen zehn Reparaturwerkstätten und Batteriedienste.

In der Nacht zum
17. April 1930
nehmen Polizisten nach hartem Feuerkampf drei Räuber fest, die ein Haus in der Hobrichtsstraße 7 (heute Friedrich-Ebert- Ring / Ecke Philosophenweg) ausrauben wollen.

1931
werden öffentliche Telefonzellen in der Stadt eingerichtet.

1930 - 1943
herrscht eine Wollhandkrabbenplage in der Havel. Die Plage bringt der Fischerei im Havelland trotz verschiedener Bekämpfungsmaßnahmen große Verluste. Erst gemauerte Fanggräben (entwickelt von Sekretär Scheibel) bringen einen Erfolg gegen die chinesischen Wollhandkrabben. Eine erneute Plage beginnt 1945 und hält etwa ein Jahrzehnt an.

1932
wird die Lutherkirche eingeweiht und es gibt in Rathenow zwei Böttchermeister.

Ab dem
05. März 1933
hängen Hakenkreuzfahnen auf den Dächern der Behörden.

Am
31. März 1933
wehrt sich der damalige Oberbürgermeister gegen die NSDAP, lässt sich beurlauben und beantragt ein Disziplinarverfahren gegen sich selbst.

Ab dem
01. April 1933
werden jüdische Geschäfte boykottiert.

Am
10. Mai 1933
findet in Rathenow eine öffentliche Bücherverbrennung statt, der etwa 3.000 Bände zum Opfer fallen.

Am
01. Oktober 1933
zählt Rathenow 3.000 Arbeitslose.

Von
1933 - 1939
werden Wohnhäuser in der Ernst-Thälmann-Straße und der Heidefeldstraße sowie das Arado-Flugzeugwerk, die Stadtrandsiedlung und die Frontkämpfersiedlung (ab 1945 Waldsiedlung) gebaut.

1934
zählt die Polizei in Rathenow 52 Verkehrsunfälle.

1935
wird das Gebäude des Amtsgerichtes durch den Bau einer Haftanstalt erweitert.

1936 - 1938
werden von der optischen Firma Emil Busch AG große Industrieanlagen in der Berg- und Fabrikenstraße (heute Wilhelm-Külz-Straße) errichtet. Sie sind noch teilweise erhalten.

1937
wird das 1851 in Rathenow stationierte 3. Husarenregiment nach Göttingen verlegt und die Polizeireitschule in der leer- werdenden Kaserne stationiert.

1937 - 1940
wird im Norden der Stadt ein riesiges Kasernenviertel erbaut.

Im Zuge dieser Baumaßnahmen wird zwischen
1938 und 1939
der Nordbahnhof fertiggestellt.

In der gleichen Zeit entsteht in Heidefeld ein Zweigwerk der ARADO-Flugzeugwerke. Die Beschäftigten erhalten Wohnungen in den sogenannten „Aradobauten“ (heute Heinrich-von-Rosenberg-Straße, Friedrich-Ebert-Ring und am Bahnhof).

1938
werden die “Westhavelländische Tageszeitung” und die “Rathenower Zeitung” zur “Havelzeitung” zusammengelegt. Außerdem wird die heutige Straße B188 ausgebaut.

09./10. November 1938
wird in der „Kristallnacht“ die Synagoge in der Fabrikenstraße geplündert, die Einrichtung zerstört, der jüdische Leichenwagen auf dem Hof verbrannt, die Fensterscheiben zerschlagen und der Friedhof geschändet. Die Mehrzahl der jüdischen Männer wird danach in Polizeigewahrsam genommen und später nach Sachsenhausen verbracht.

1939
Rathenow ist eine blühende Stadt und bekommt ein neues Wappen. Es leben 31.600 Einwohner in ihr (ohne Garnison), Anzahl steigend. Man registriert 2.655 Wohnhäuser mit 10.587 Haushaltungen. Zahlreiche Einrichtungen, Reichs- und Landesbehörden haben hier ihren Sitz.  Die Zahl der Erwerbstätigen der Rathenower gliedert sich wie folgt:

Ungelernte Arbeiter    2.577
Facharbeiter     5.209
Selbstständige Handwerker und Fabrikanten    795
Selbstständiger Einzelhandel       564
Landwirtschaft und Gärtnerei     130
Kaufm., techn. und sonstige Angestellte  2.237
Leitende Angestellte und freie Berufe    357
Beamte in Verwaltung, Verkehr und Schulwesen   981
Witwen, Rentner und Pensionäre   2.791
(Zu den Zahlen müssen die Familienangehörigen hinzugezählt werden.)
In Rathenow befinden sich folgende Reichs-, Staats-, Kommunal-, Justiz-, Schul- und Kirchenbehörden nebst öffentlichen Anstalten, Krankenkassen und amtlichen Berufsvertretungen:
Reichsbahn, Brandenburgische Städtebahn, Kreis-Kleinbahn, Postamt (mit allen Nebenstellen wie Post- und Telegrafeneinrichtungen), Finanzamt, Kreisverwaltungsamt (Landratsamt), Amtsgericht (mit Gerichtsgefängnis in der Bahnhofstraße), Wasserbauamt, Wehrmacht, Reichsarbeitsdienst, der Polizeipräsident in Berlin (Schutzpolizei, Polizei-Reitschule, Schutzpolizei-Ausbildungsabteilung), Wasserschutzpolizei, Kreisfeuerwehr-Verband Rathenow, Stadtverwaltung mit 47 Ämtern bzw. Verwaltungen, wie z.B. Betriebsverwaltung der Stadtwerke, des Städtischen Warmbades, der Städtischen Flußbadeanstalt oder Gesundheitsverwaltung.
Die Stadt ist in 22 Stadtbezirke eingeteilt, für die je ein Bezirkswart und sein Stellvertreter verantwortlich zeigen.
In Rathenow sind zwei evangelische, die Sankt-Marien-Andreas-Kirche und die Lutherkirche, und eine katholische, die Sankt-Georgs-Kirche mit je einem Kindergarten und einem Kinderchor aktiv.
In 7 Schulen werden 2.888 Mädchen und Jungen unterrichtet, in der Hilfsschule 109, in der gewerblichen, kaufmännischen und hauswirtschaftlichen städtischen Berufsschule 1.646 Schüler. Hinzu kommt eine Landwirtschaftsschule.
19 Krankenkassen (mit Betriebs-, Ersatz- und Privatkassen) ringen um die Gunst der Bürger.
Weiterhin haben die Deutsche Arbeiterfront und Amtliche Berufsvertretungen (wie z.B. Handwerkskammer, Landesbauernschaft) ihren Sitz in Rathenow.
Das Vereinsregister weist etwa 180 Innungen, Klubs, Vereine, Verbände, Vereinigungen usw. aus. Allein 30 Turn- und Sportvereine sind eingetragen.
3 Kinos - wobei das „Apollo-Theater“ auch für Gastspiele deutscher Schauspielbühnen und Orchester genutzt wird - bieten neben 73 Restaurants, Cafés, Ausflugslokalen, Hotels und Tanzsälen Möglichkeiten der Erholung und Entspannung.
17 Ärzte, 8 Zahnärzte und 6 Dentisten, 3 Heilkundige (Homöopathen), 5 Hebammen, 4 Apotheken, 7 Drogerien und 3 Tierärzte sind um die Gesundheit unserer Bürger und Vierbeiner besorgt.
Die Commerz- und Privatbank, die Dresdner Bank, die Kreis- und Stadtkasse, die Beamten-Spar- und Darlehnskasse, die Land- und die Volksbank und 11 Helfer in Steuersachen regeln die Finanzen der Stadt.
Interessant sind auch die Angaben zu den Geschäften und Dienstleistungsbetrieben der Stadt. 1933 gibt es in Rathenow (Auswahl): 106 Lebensmittelgeschäfte und -großhändler, jeweils 145 Bäckereien/Konditoreien und Fleischereien und Hausschlächter, 23 Obst- und Gemüsehandlungen, 6 Fischhändler, 13 Konfitüren- und 3 Feinkosthandlungen, 45 Zigarren- und Tabakwarenhandlungen, 14 Blumengeschäfte, 32 Fachgeschäfte für Herren-, Damen- oder Kinderbekleidung, 7 Handarbeitsgeschäfte, 5 Kunsthandlungen, 12 Rundfunk-, 11 Farb-, 9 Seifenwaren-, 7 Schuh- und 10 Uhrengeschäfte, 19 Buchhandlungen und Büchereien, 14 Fotografen, und Fotofachgeschäfte, 34 Schuhmacher, 46 Schneider und 68 Schneiderinnen, 45 Frisöre, 11 Dachdecker, 3 Malermeister, 7 Autohäuser, 17 Brennstoffhändler.
Hinzu kommen noch diverse Spezialgeschäfte, wie z.B. Autofuhr-, Fahrrad-, Wäsche-, Gardinen-, Teppichgeschäfte, technische Bedarfsartikel, optische Ladengeschäfte, Futtermittelhandlungen, Parfümerien, Galanteriewaren, Gold- und Silberwaren und ... und... und ...
82 Handelsvertreter, 4 Architekten, 6 Anwälte, 42 Versicherungsvertreter und 4 Auskunfteien bieten ihre Dienste an.